Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

Problem
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Ein Problem (altgriechisch πρόÎČληΌα prĂłblema, „Vorsprung, Klippe, Hindernis; das, was [zur Lösung] vorgelegt wurde“cite-ref-1[1]) entsteht in einer Situation, in der ein oder mehrere Ziele erreicht werden mĂŒssen, wobei nicht unmittelbar sicher ist, welche Maßnahmen ergriffen oder welche Mittel eingesetzt werden mĂŒssen, um diese Ziele zu erreichen.

Contents

‱ Verwandtheit
‱ Informatik
‱ Sonstige
‱ Abgrenzung
‱ Literatur
‱ Weblinks

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Allgemeines

Die Art der Ziele hĂ€ngt vom Individuum ab, das mindestens ein Problem hat. Bei Privatpersonen sind es persönliche Ziele, bei Unternehmen die Unternehmensziele und bei Staatszielen der Staat, die mit Problemen konfrontiert sind. Persönliche Probleme können beispielsweise das Konsumverhalten (Konsumieren oder Sparen), Eheschließung oder Ehescheidung sein. Probleme in Unternehmen können Ertragslage, Kostenstruktur oder Insolvenzrisiko betreffen, staatliche Probleme sind etwa die Haushaltskonsolidierung oder Konflikte mit auslĂ€ndischen Regierungen bis hin zum Krieg. Taucht ein Problem auf, muss ihm mit Problemlösen begegnet werden. Probleme können lösbar, nicht lösbar oder unentscheidbar sein. Mehrere in einem ĂŒbergeordneten kausalen Zusammenhang stehende Probleme können als Problematik bezeichnet werden.

Definitionen

In der Gestaltpsychologie befasste sich Narziß Ach 1905 als einer der ersten mit Denkprozessen und insbesondere dem Problemlösen.cite-ref-2[2] Karl Duncker definierte 1935 das Problem wie folgt:

„Ein Problem entsteht dann, wenn ein Lebewesen ein Ziel hat und nicht weiß, wie es dieses Ziel erreichen soll“.cite-ref-3[3]

Mit der Benutzung des Wortes „Lebewesen“ stellte er klar, dass nicht nur Menschen Probleme haben können. FĂŒr Friedhart Klix lag 1971 ein Problem vor, wenn ein Anfangszustand, ein Zielzustand und „das nicht unmittelbar gelingende ÜberfĂŒhren vom Anfangs- in den Zielzustand“ besteht.cite-ref-4[4] Auch Dietrich Dörner beschrieb 1976 Ă€hnlich:

„Ein Individuum steht einem Problem gegenĂŒber, wenn es sich in einem inneren oder Ă€ußeren Zustand befindet, den es aus irgendwelchen GrĂŒnden nicht fĂŒr wĂŒnschenswert hĂ€lt, aber im Moment nicht ĂŒber die Mittel verfĂŒgt, um den unerwĂŒnschten Zustand in den erwĂŒnschten zu ĂŒberfĂŒhren“.cite-ref-5[5]

Er unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen Problem und Aufgabe: „Wenn die Transformation des Ist-Zustands in den Soll-Zustand produktives Denken erfordert, stehen wir vor einem Problem. Andernfalls handelt es sich nur um eine Aufgabe“. Bei einer Aufgabe liegt Alan H. Schoenfeld zufolge bereits ein Lösungsschema vor.cite-ref-6[6]

Problemklassen

Im tÀglichen Umgang mit Problemen haben zahlreiche Wissenschaften Merkmale herausgearbeitet, nach denen sich Probleme charakterisieren lassen. Einzelne Probleme lassen sich so zu Problemklassen zusammenfassen. Es gibt folgende Problemklassen, nach denen Probleme systematisiert werden können:cite-ref-7[7]

Lösbarkeit

Nicht alle Probleme sind lösbar. Bei vielen Problemen geht die scheinbare Unlösbarkeit auf mangelnde Wohldefiniertheit zurĂŒck: Ausgangssituation, Hindernis und Zielsituation sind nicht ausreichend klar formuliert, um eine Lösung zu ermöglichen. Doch auch fĂŒr sauber formulierte Probleme in Umfeldern mit klar vorgegebenen Regeln kann unter UmstĂ€nden gezeigt werden, dass eine Aufgabe unlösbar ist, wie z. B. die Quadratur des Kreises, die fĂŒr unlösbare Probleme sprichwörtlich geworden ist.cite-ref-8[8] Arbeitsaufwand in die Lösung erwiesenermaßen unlösbarer Probleme zu stecken ist nicht sinnvoll. In diesem Fall kann eine Umgehungslösung (englisch workaround) des Problems helfen. Das angepeilte Ziel wird dann so abgeĂ€ndert, dass sich das Problem gar nicht mehr stellt.

Die Unlösbarkeit eines Problems kann auch darauf zurĂŒckzufĂŒhren sein, dass versucht wird, mehrere widersprĂŒchliche Ziele gleichzeitig zu erreichen. In diesem Fall liegt ein Interessenkonflikt vor, der möglicherweise durch einen Kompromiss beglichen werden kann. In technischen ZusammenhĂ€ngen spricht man hierbei auch von Optimierung. Kompromisse können allerdings wiederum neue Probleme hervorrufen. Ist ein Kompromiss aufgrund des zugrundeliegenden Regelsystems unmöglich, so spricht man von Aporie (‚Ausweglosigkeit‘).

Zerlegbarkeit

LÀsst sich ein Problem in mehrere Unterprobleme zerteilen, so nennt man es zerlegbar oder auch hierarchisch.cite-ref-9[9] Echte Unterprobleme sind leichter und mit weniger Arbeitsaufwand verbunden (divide et impera). Sie können eine kompaktere und greifbarere Beschreibung der Ausgangssituation bieten, die bereits aus sich heraus einen Lösungsweg nahelegt.

Stellt die Zerlegung selbst ein schwieriges Problem dar, lĂ€sst sich ein Problem ĂŒberhaupt nicht unterteilen oder sind die entstehenden Unterprobleme bei jeder möglichen Zerlegung ebenso komplex wie das Ausgangsproblem, so nennt man das Problem nicht zerlegbar oder elementar. Eine spezielle Aussage ĂŒber die Zerlegbarkeit trifft diese Unterscheidung:

‱ Einsichts­probleme sind nicht zerlegbare Probleme, denn sie benötigen nur einen einzigen, untrennbaren Umformungsschritt, der jedoch sehr schwer ist, weil er eine völlig neue Sicht der Dinge verlangt.
‱ Transformationsprobleme hingegen lassen sich in eine ganze Reihe von Umformungsschritten zerlegen (Informatik), die richtig aufeinander abgestimmt werden wollen.

Verwandtheit

Manche Probleme sind in ihrer Wesensart so eng verwandt, dass mit einem Problem gleichzeitig ein anderes Problem gelöst wird. In diesem Fall sind Ausgangs- und Zielsituation bei beiden Problemen gleich, wenn auch fĂŒr gewöhnlich gĂ€nzlich anders formuliert. Eines der Probleme lĂ€sst sich jedoch in das jeweils andere Problem ĂŒberfĂŒhren; speziell die KomplexitĂ€tstheorie spricht hierbei davon, ein Problem auf ein anderes zu reduzieren. Auf diese Weise können ganze Problemklassen ausfindig gemacht werden, deren Probleme ungelöst sind. Man weiß jedoch, dass die Lösung eines Problems gleichzeitig alle anderen Probleme der jeweiligen Klasse lösen wĂŒrde. Kann ein Problem nicht auf andere Probleme zurĂŒckgefĂŒhrt werden, so bildet es eine Problemklasse fĂŒr sich und erfordert möglicherweise eine gĂ€nzlich neue Einsicht.

Lösungsaufwand

Man kann Probleme nach dem Lösungsaufwand beurteilen: Der Lösungsweg eines Problems kann kurz und knapp sein, aber auch so aufwĂ€ndig, dass das erreichbare Ziel die MĂŒhe nicht lohnt. Extrem aufwĂ€ndige Probleme können sogar unbegrenzt lange Lösungswege erfordern. So kann ein Problem zwar unbekannterweise vielleicht lösbar sein, in der Praxis aber weiterhin als „unlösbar“ gelten, es ist damit unbestimmt hinsichtlich seiner Lösbarkeit.

Der benötigte Aufwand zur Lösung eines Problems hĂ€ngt von seiner KomplexitĂ€t und der LeistungsfĂ€higkeit der Beteiligten ab. Unter den Begriff Leistung fallen hier unterschiedliche Faktoren – von der Intelligenz eines Menschen bis zur Rechenleistung eines Computers. Auch unterschiedliche Ausgangssituationen beeinflussen den Aufwand von Lösungswegen, da die VerfĂŒgbarkeit von Rohstoffen und Werkzeugen (Ressourcen) oder einfach anderem Wissen variieren wird.

SubjektivitÀt

Besonders Probleme des Alltags unterliegen der SubjektivitĂ€t der beteiligten Personen. Abweichende Zielvorstellungen bedingen, dass Schwierigkeit und AufwĂ€ndigkeit von Problemen unterschiedlich beurteilt werden. Bestimmte Probleme sind fĂŒr Beteiligte unlösbar, fĂŒr Außenstehende jedoch zu bewĂ€ltigen oder sogar einfach: So ist das Feststellen des eigenen Todeszeitpunkts unmöglich. Mitunter erzeugt der Wechsel des eigenen Standpunkts ein besseres VerstĂ€ndnis fĂŒr das Problem, etwa wenn Emotionen beteiligt sind und das Problem erst durch EinfĂŒhlungsvermögen ĂŒberhaupt erfasst werden kann.

Wissenschaften

Aus wissenschaftlicher Sicht stellt sich ein Problem, wenn eine Frage, Streitfrage oder ein Sachverhalt ungeklĂ€rt ist, das Problem durch Denken oder Erfahrung gelöst werden kann und eine neue Problemstellung der Anlass fĂŒr den Fortschritt der Wissenschaften sein kann.cite-ref-10[10]

In mehreren Einzelwissenschaften werden spezifische Problemstellungen untersucht, die zu feststehenden Begriffen wurden. Dazu gehören unter anderem das Halteproblem der Theoretischen Informatik, das Problem des Handlungsreisenden des Operations Research mit der Berechnung einer optimalen Rundreise durch mehrere StĂ€dte, das Transportproblem und Umladeproblem der Logistik, das Problemverhalten (auch: VerhaltensauffĂ€lligkeit) der Erziehungswissenschaft fĂŒr menschliches Sozialverhalten, das in einem gegebenen Kontext als problematisch wahrgenommen wird, oder das Problem der MuseumswĂ€chter der algorithmischen Geometrie.

Denkpsychologie

Ist fĂŒr die Überwindung der zwischen Ist- und Soll-Zustand liegenden Barriere eine Denkleistung erforderlich, die ĂŒber das reproduktive Denken hinausgeht, liegt aus Sicht der Denkpsychologie ein Problem vor.cite-ref-11[11] Ob es sich um ein Problem oder eine Aufgabe handelt, hĂ€ngt vom Wissen des Individuums ab. FĂŒr den Dachdecker ist Dachdecken eine Routinearbeit, fĂŒr den Laien ein Problem.cite-ref-12[12]

Entscheidungstheorie und Mathematik

Um ein Entscheidungsproblem handelt es sich, wenn einem EntscheidungstrĂ€ger der Soll-Zustand bekannt ist und der Ist-Zustand hiervon abweichtcite-ref-13[13], fĂŒr eine anstehende Entscheidung mindestens zwei Alternativen zur Auswahl hat und sich fĂŒr eine entscheiden muss. Als Entscheidungsproblem bezeichnet man die Frage, ob und wie fĂŒr eine gegebene Eigenschaft ein Entscheidungsverfahren formuliert werden kann.cite-ref-14[14] Die praktisch-normative Betriebswirtschaftslehre schlĂ€gt Entscheidungsverfahren vor, die der EntscheidungstrĂ€ger zur BewĂ€ltigung von Entscheidungsproblemen einsetzen kann.cite-ref-15[15]

FĂŒr David Hilbert stellt sich „
 die Frage der Widerspruchsfreiheit als ein Problem der reinen PrĂ€dikatenlogik dar 
 Eine solche Frage fĂ€llt unter das Entscheidungsproblem“.cite-ref-16[16] „Das Entscheidungsproblem muss als das Hauptproblem der mathematischen Logik bezeichnet werden“.cite-ref-17[17]

Experimentelle Psychologie

Die Experimentelle Psychologie befasst sich unter anderem mit Tierversuchen im Hinblick auf die Erkennung von Problemen durch Tiere, etwa bei der Futtersuche. Problem ist der Hunger oder Durst, Entscheidungsproblem sind zwei oder mehr Futtertröge. Wenn ein Versuchstier durch Versuch und Irrtum einmal herausgefunden hat, in welchem von zwei Futtertrögen wirklich Futter versteckt war, wird es durch Konditionierung beim nĂ€chsten Experiment diesen Trog wieder aussuchen. Grundlegend waren hierbei die Experimente von Iwan Petrowitsch Pawlow mit Hunden. Ein neutraler Reiz – der allein keine Reaktion auslösen wĂŒrde – wird mit einem unbedingten Reiz gekoppelt, der eine Reaktion auslösen kann. Pawlow benutzte als neutralen Reiz einen Glockenton und als unbedingten das Futter.cite-ref-18[18]

Informatik

Die KomplexitĂ€tstheorie der Theoretischen Informatik baut auf einen mathematisch verankerten Problembegriff. Die Grundlage sind hier Entscheidungsprobleme, bei denen die Aufgabe stets gleich lautet: Entscheide, ob diese Eingabe akzeptiert wird oder nicht. Ein Problem ist damit grundsĂ€tzlich dasselbe wie eine formale Sprache, bei der die Frage lautet: Entscheide, ob dieses Wort zu dieser Sprache gehört oder nicht. Die Vorteile dieses hochgradig strukturierten Problembegriffs sind, dass er fĂŒr Menschen und Maschinen gleichermaßen verstĂ€ndlich ist, die Korrektheit eines Lösungswegs beweisbar ist und die Anzahl der zur Lösung eines Problems benötigten Schritte – seine KomplexitĂ€t – rechnerisch bestimmt werden kann. Entscheidungsprobleme sind nur scheinbar zu einfach, um komplexe Fragestellungen damit zu untersuchen; tatsĂ€chlich lassen sie sich zu natĂŒrlicheren Optimierungsproblemen oder Suchproblemen umformulieren.cite-ref-19[19]

Die KomplexitĂ€tstheorie nimmt eine weitere wichtige Trennung vor, indem sie Probleme von Probleminstanzen unterscheidet. Instanzen sind SpezialfĂ€lle eines verallgemeinerten Problems und geben beispielsweise konkrete Zahlen oder Wörter vor, wo das allgemeine Problem von beliebig besetzbaren Variablen oder Zeichenketten spricht. Ziel ist es stets, den allgemeinen Fall zu lösen, Probleminstanzen dienen nur der Ideenentwicklung und hĂ€ndischen ÜberprĂŒfung von Versuchen.

Sonstige

Beim Schachspiel gibt es das Schachproblem als kĂŒnstlerische Ausdrucksform. In der Soziologie steht das First World Problem abwertend fĂŒr aufgebauschte Probleme der Ersten Welt. Unlösbare Probleme treten gehĂ€uft bei Fragen der Erkenntnistheorie und der Logik auf, wenn sich zwei gleichermaßen wahre GrundsĂ€tze in Form der Aporie oder des Paradoxon (bzw. der Antinomie in der Logik) widersprechen. Bekannte Beispiele fĂŒr diese ausweglosen Denkaufgaben sind der Satz „Dieser Satz ist falsch“ und die Frage „Kann Gott einen Stein erschaffen, den er selbst nicht heben kann?“ Wenn man Gottes Allmacht voraussetzt, ergibt sich dadurch ein unauflösbarer Widerspruch.

Kulturelle Perspektive

Unterschiedliche Kulturen besitzen fĂŒr Probleme unterschiedliche philosophische Konzepte. Im Judentum z. B. gibt es den Begriff Mitzrayim (hebrĂ€isch ŚžŚŠŚšŚ™Ś, „Meerenge“, „ernste Notlage“, eigentlich die Bezeichnung fĂŒr das Land Ägypten), der als Sammelbegriff die Schwierigkeiten, Probleme und Herausforderungen bezeichnet, denen ein Mensch sich im Laufe seines Lebens stellen muss und an denen er wĂ€chst. Im Mittelpunkt des theologischen Diskurses um diesem Begriff stehen die geistigen BeschrĂ€nkungen, die das Individuum ĂŒberwinden muss, um zu Gott und zu den Werten der Tora zu finden.cite-ref-20[20]

Einige Probleme haben die Menschen ĂŒber sehr lange Zeit beschĂ€ftigt oder hatten große Auswirkungen, weil wĂ€hrend ihrer Untersuchung bahnbrechende neue Erkenntnisse zu Tage gefördert wurden. Die folgende Auswahl stellt nur einige wenige mathematische und damit stark vorstrukturierte Probleme dar. TatsĂ€chlich darf jedoch hinter jedem grĂ¶ĂŸeren technischen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Durchbruch die Lösung eines Problems vermutet werden.

Das geometrische Problem, aus einem Kreis nur unter Verwendung von Zirkel und Lineal ein flĂ€chengleiches Quadrat herzustellen, beschĂ€ftigte die Menschheit seit der Antike. „Gelöst“ wurde das Problem 1882 von Ferdinand von Lindemann, der bewies, dass eine prĂ€zise Lösung unmöglich ist.
Ziel dieses topologischen Problems war es, einen (Rund-)Weg ĂŒber die sieben BrĂŒcken der Stadt Königsberg zu finden, der jede BrĂŒcke nur einmal nutzt. 1736 zeigte Leonhard Euler, dass ein solcher Weg nicht existiert, das Problem also nicht lösbar ist. Die Untersuchung des allgemeineren Eulerkreisproblems hatte jedoch nachhaltige Auswirkungen auf die KomplexitĂ€tstheorie.
Bei diesem Problem der Graphentheorie soll ein Weg durch einen Graphen gefunden werden, der jeden Knoten genau einmal enthĂ€lt. Obwohl das Problem dem Königsberger BrĂŒckenproblem Ă€hnelt, stellte es sich als sehr viel komplexer heraus. Es ist verwandt mit dem Problem des Handlungsreisenden, das in zahllosen Variationen in einer Vielzahl von AnwendungsfĂ€llen auftritt.
Dieses Problem, bei dem ermittelt werden soll, ob eine aussagenlogische Formel erfĂŒllbar ist, fĂŒhrte 1971 mit dem Satz von Cook zum Begriff der NP-VollstĂ€ndigkeit. Die NP-vollstĂ€ndigen Probleme, zu denen es – wie auch das Hamiltonkreisproblem – gehört, bilden eine Klasse schwieriger Probleme der Informatik, die alle eng miteinander verwandt sind; könnte man eines dieser Probleme effizient lösen, wĂ€re damit gezeigt, dass alle Probleme in NP effizient lösbar sind, und es wĂ€re P = NP bewiesen. Aktuell sind fĂŒr diese schwierigen Probleme nur probabilistische und heuristische Lösungsverfahren bekannt, etwa eine große Vielfalt von Optimierungsverfahren.
Bei diesem Wahrscheinlichkeitsproblem ging es darum, dem Kandidaten einer Spielshow einen Rat bei der Wahl zwischen drei TĂŒren zu geben, hinter denen ein Preis und zwei Nieten (Ziegen) verborgen waren. Als die bereits 1889 gelieferte, verblĂŒffende und fĂŒr manche dem gesunden Menschenverstand widersprechende Lösung 1990 in einer Zeitung von Marilyn vos Savant – der „intelligentesten Frau der Welt“ – beschrieben wurde, zerstritten sich Mathematiker weltweit ĂŒber den Begriff der bedingten Wahrscheinlichkeit.

Arten von Entscheidungsproblemen

Wissenschaftlich wurden viele Arten von Entscheidungsproblemen erkannt, insbesondere:cite-ref-21[21]

‱ Der EntscheidungstrĂ€ger verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig, die durchaus im Zielkonflikt zueinander stehen können.
‱ Es bestehen mehr als zwei Handlungsalternativen, die zu einer Vielzahl von Problemlöse-Varianten fĂŒhren.
‱ Die kĂŒnftige Entwicklung der UmweltzustĂ€nde – die einen nicht beeinflussbaren Datenparameter darstellen – sind mit Unsicherheit behaftet, so dass der EntscheidungstrĂ€ger seine Handlungsalternativen im Lichte dieser UmweltzustĂ€nde beurteilen muss.
‱ Der EntscheidungstrĂ€ger verfĂŒgt nur teilweise ĂŒber Erfahrungen und Modelle, um die Auswirkungen der Problemlöse-Varianten bestimmen zu können.

Die letzte Art ist teilweise nicht ausschließlich die Folge der drei anderen Merkmale.

Danach lassen sich die Entscheidungsprobleme wie folgt kategorisieren:cite-ref-22[22]

| Entscheidungsproblem nach Eintrittswahrscheinlichkeit | Entscheidungsproblem nach Einwertigkeit | Entscheidungsproblem nach Mehrwertigkeit |
|---|---|---|
| Entscheidungsproblem unter Sicherheit | Entscheidungsproblem unter Einwertigkeit und Sicherheit | Entscheidungsproblem unter Mehrwertigkeit und Sicherheit |
| Entscheidungsproblem unter Unsicherheit | Entscheidungsproblem unter Einwertigkeit und Unsicherheit | Entscheidungsproblem unter Mehrwertigkeit und Unsicherheit |
| Entscheidungsproblem unter Ungewissheit | Entscheidungsproblem unter Einwertigkeit und Ungewissheit | Entscheidungsproblem unter Mehrwertigkeit und Ungewissheit |
| Entscheidungsproblem unter Risiko | Entscheidungsproblem unter Einwertigkeit und Risiko | Entscheidungsproblem unter Mehrwertigkeit und Risiko |


Kenntnis ĂŒber Mittel und Ziele

Dörner unterscheidet danach, ob die Mittel und das Ziel dem Problembearbeiter bekannt sind oder nicht:cite-ref-23[23]

| Klarheit der Ziele | Bekanntheitsgrad der Mittel | hoch / gering |
|---|---|---|
| hoch | Interpolationsbarriere dialektische Barriere | hoch gering |
| gering | Synthesebarriere dialektische Barriere und Synthesebarriere | hoch gering |

FĂŒr Dörner liegt eine Interpolationsbarriere vor, wenn sowohl Ziel als auch Mittel bekannt sind, nicht jedoch die exakte Kombination der Mittel. Beispiel ist das – heute beim elektronischen Fahrplan nicht mehr vorhandene – Kursbuchproblem, bei dem Startort und Zielort bekannt sind, aber die Interpolation zwischen beiden behindert ist. Bei der Synthesebarriere ist das Ziel bekannt, jedoch nicht die zu diesem fĂŒhrenden Mittel. Bei der dialektischen Barriere ist auch das Ziel unbekannt.

Abgrenzung

Ein Problem unterscheidet sich von der Aufgabe dadurch, dass bei letzterer der Lösungsweg von Beginn an bekannt ist. Bei der Aufgabe ist zwar auch eine Barriere (Arbeitsleid) vorhanden, aber diese lĂ€sst sich durch den bekannten Lösungsweg als Arbeitsmotivation leichter ĂŒberwinden.

Literatur

‱ Dietrich Dörner: Problemlösen als Informationsverarbeitung. 3. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 1987, ISBN 3-17-009711-3.
‱ Walter Edelmann: Lernpsychologie. Psychologie Verlags Union, Weinheim 1996, ISBN 3-621-27310-7.
‱ Joachim Funke: Problemlösendes Denken. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-017425-8.
‱ Ralf Gössinger: Dienstleistungen als Problemlösungen. Gabler, Wiesbaden 2005, ISBN 3-8350-0183-3.
‱ George PĂłlya: Schule des Denkens. Vom Lösen mathematischer Probleme. Francke, TĂŒbingen 1995, ISBN 3-7720-0608-6.
‱ Karl Popper: Alles Leben ist Problemlösen. Über Erkenntnis, Geschichte und Politik. Piper, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1996, ISBN 3-492-22300-1.
‱ Walter Schönwandt u. a. (Hrsg.): Komplexe Probleme Lösen – Ein Handbuch. JOVIS Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86859-227-6.

Weblinks

Wikiquote: Problem

– Zitate

Wiktionary: Problem

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Ursula Hermann, Knaurs etymologisches Lexikon, 1983, S. 391; ISBN 3-426-26074-3
cite-note-22. ↑ Narziß Ach, Über die WillenstĂ€tigkeit und das Denken, 1905, passim
cite-note-33. ↑ Karl Duncker, Zur Psychologie des produktiven Denkens, 1935/1974, S. 1; ISBN 978-3-642-88750-5
cite-note-44. ↑ Friedhart Klix, Information und Verhalten, 1971, S. 640; ISBN 978-3-456-60029-1
cite-note-55. ↑ Dietrich Dörner, Problemlösen als Informationsverarbeitung, 1976, S. 10; ISBN 978-3-17-009711-7
cite-note-66. ↑ Alan H Schoenfeld/Alan H Sloane (Hrsg.), Mathematical Thinking and Problem Solving, 1989, S. 14 ff.; ISBN 978-0-8058-0990-9
cite-note-77. ↑ Miroslawa Britzkow/Susanne Jermies, Familiencoaching, 2015, S. 63 ff.
cite-note-88. ↑ Bodo von Pape, Die Großen Probleme der Antike, Band I - Von Archytas bis Pappus, 2022, S. 159
cite-note-99. ↑ Heidi Möller/Silja Kotte, Diagnostik im Coaching, 2013, S. 74
cite-note-1010. ↑ Max Apel/Peter Ludz, Philosophisches Wörterbuch, 1958, S. 228; ISBN 978-3-11-006729-3
cite-note-1111. ↑ Dietrich Dörner, Problemlösen als Informationsverarbeitung, 1976, S. 10
cite-note-1212. ↑ Robert Sell/Ralph Schimweg, Probleme lösen in komplexen ZusammenhĂ€ngen denken, 2002, S. 1; ISBN 978-3-540-43687-4
cite-note-1313. ↑ Rudolf GrĂŒnig/Richard KĂŒhn, Prozess zur Lösung komplexer Entscheidungsprobleme, 2017, S. 7
cite-note-1414. ↑ Arnim Regenbogen/Uwe Meyer (Hrsg.), Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Sonderausgabe, 2006, Stichwort: „entscheidbar“; ISBN 3-7873-1761-9
cite-note-1515. ↑ Rudolf GrĂŒnig/Richard Gaggl, Entscheidungsverfahren fĂŒr komplexe Probleme, 2004, S. 48
cite-note-1616. ↑ David Hilbert/Paul Bernays, Grundlagen der Mathematik, Band I, 1934, S. 8
cite-note-1717. ↑ David Hilbert/Wilhelm Ackermann, GrundzĂŒge der theoretischen Logik, 1928, S. 73 ff.
cite-note-1818. ↑ Andreas Mehl/Bernhart Ruso/Hans Winkler/Oliver Bender/Sigrun Kanitscheider, Analogie als Quelle der Erkenntnis, 2021, S. 163
cite-note-1919. ↑ Stephan Zelewski, KomplexitĂ€tstheorie, 1989, S. 10 ff.
cite-note-2020. ↑ Leaving Egypt (Memento vom 16. MĂ€rz 2006 im Internet Archive)
cite-note-2121. ↑ Edwin RĂŒhli, UnternehmungsfĂŒhrung und Unternehmungspolitik, 1988, S. 186 ff.; ISBN 978-3-258-02611-4
cite-note-2222. ↑ Rudolf GrĂŒnig/Richard KĂŒhn, Prozess zur Lösung komplexer Entscheidungsprobleme, 2017, S. 13 f.
cite-note-2323. ↑ Dietrich Dörner, Problemlösen als Informationsverarbeitung, 1976, S. 11 f.